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Blutdruckmessung zu Hause - wer macht das regelmäßig und wie verlässlich ist das?

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@ms_77

Zitat von ms_77

direkte Frage, dann kann er nicht einfach "ja passt" sagen

da hast du nicht ganz unrecht. Aber ich sag dir, das ist leichter gesagt als gemacht. Ich bin kein schüchterner Typ, frag mal meine Kollegen. Nur beim Arzt sitzt man da und irgendwie läuft das immer gleich - der hat schon den nächsten Patienten im Kopf, du sitzt noch nicht richtig und schon ist der Termin halb vorbei. Ich hab das Gefühl die rechnen mit 10 Minuten und wenn du anfängst konkret zu fragen bist du der schwierige Patient. Aber gut. Ich probier das beim nächsten Termin so wie du sagst. Direkt fragen was der Wert für die Tabletten-Entscheidung bedeutet. Mal gucken ob der dann wirklich antwortet oder ob er trotzdem drum herumredet. Was mich grad beschäftigt ist was anderes. Du sagst - Zahlen hinlegen, nichts interpretieren, Arzt machen lassen. Ok. Aber wenn der Arzt das nicht macht - was dann. Ich mein das ernst. Irgendwann macht man sich halt selbst Gedanken, weil sonst macht's keiner. Das ist doch kein Sturheit von mir. Das ist einfach wie es läuft. Und ob das dann Rote Beete ist oder Schlaf oder was auch immer - egal. Man fängt an selbst zu denken weil man keine andere Wahl hat.

@rainer_w64

Zitat von rainer_w64

irgendwann macht man sich halt selbst Gedanken weil sonst macht's keiner

ja, das stimmt. Und ich sag auch nicht dass das falsch ist. Selbst denken ist nicht das Problem. Aber da ist ein Unterschied. Selbst denken und selbst entscheiden sind zwei Paar Schuhe. Du kannst dir Gedanken machen und trotzdem zum Arzt gehen und sagen - ich hab mir Gedanken gemacht, was sagst du. Das ist was anderes als: ich hab mir Gedanken gemacht, ich lass die Tabletten jetzt mal weg. Was mich bei dem "keine andere Wahl" Argument stört: du hast ne Wahl. Du kannst auch den Arzt wechseln. Ich weiß das klingt banal aber ehrlich gesagt ist "der Arzt hört nicht zu" manchmal auch "ich hab den falschen Arzt". Das ist kein Angriff auf dich, ich hab das selbst erst kapiert als ich nach 15 Jahren meinen gewechselt hab. Der alte hat auch immer genickt und weitergemacht. Und zum Selbst-Interpretieren - das Problem ist nicht dass du nachdenkst. Das Problem ist confirmation bias, auf gut deutsch. Du findest was du suchst. Schlechte Woche, schlechte Zahlen, passt. Drei Mal Rote Beete gegessen, Werte ok, passt auch. Das menschliche Gehirn ist sau gut darin sich Muster zu bauen die nicht da sind. Das ist keine Schwäche von dir speziell, das ist bei jedem so. Ich merk das bei mir selbst wenn ich bei nem Auftrag irgendwo ne Spannung messe die komisch ist - man will dass es ein bestimmter Fehler ist weil man den schon kennt. Und manchmal liegt man daneben.

@ms_77

Zitat von ms_77

confirmation bias

ja, das Wort kenn ich. Und du hast nicht unrecht. Nur - bei uns im Betrieb läuft das genauso. Wenn ne Maschine spinnt und ich denk "das ist wieder der Drucksensor" dann such ich so lange bis ich den Drucksensor finde. Stimmt. Hab ich schon zweimal falsch gelegen damit. Aber der Punkt mit dem Arzt wechseln - das ist nicht so banal wie du denkst. Ich bin seit 20 Jahren bei dem. Der kennt meine Akte, weiß was ich früher hatte, kennt meine Frau. Von vorne anfangen und alles nochmal erklären - das kostet auch was. Nicht Geld mein ich. Einfach Nerven. Was mich an deinem letzten Beitrag aber wirklich beschäftigt: du sagst selbst denken und selbst entscheiden sind zwei verschiedene Dinge. Ok. Nur irgendwo geht das ineinander über. Wenn ich morgens messe und der Wert ist gut, und ich denk "heute kein Stress, passt" - ist das schon eine Entscheidung? Ich tu nix, ich ruf keinen an, ich lass es. Das ist auch ne Entscheidung irgendwie. ich glaub das Problem ist dass das System darauf nicht ausgelegt ist. Der Arzt will Zahlen, ich bring Zahlen, er sagt "passt". Und dann bin ich wieder allein mit dem Gerät. Irgendwie dreht sich das im Kreis.

@rainer_w64

Zitat von rainer_w64

irgendwie dreht sich das im Kreis

ja tut es. Aber das ist kein Fehler von dir und kein Fehler vom System - das ist einfach wie Medizin funktioniert wenn man chronisch was hat. Der Arzt guckt auf Snapshots, du lebst den Alltag. Die passen strukturell nicht zusammen. Was mich bei deinem letzten Satz aber wirklich beschäftigt: du sagst "nichts tun ist auch ne Entscheidung". Das stimmt. Aber ich würd das trotzdem anders gewichten. Wenn du nichts tust weil der Wert ok ist - das ist kein aktives Eingreifen. Das ist abwarten. Wenn du die Tablette weglässt weil du denkst drei Mal Rote Beete hat was gebracht - das ist was anderes. Einer ist passiv, der andere ist aktiv. Der Unterschied ist nicht egal. Und zum 20-Jahre-Arzt-Argument. Ich versteh das. Wirklich. Ich hab meinen Steuerberater auch seit Jahren und ich würd den auch nicht einfach wechseln obwohl der manchmal Sachen macht die ich nicht kapiere. Aber - und das mein ich ernst - Loyalität ist kein Grund einen Fehler weiterzumachen. Wenn der Typ deine Zahlen nicht ernsthaft bespricht seit Jahren dann ist das kein guter Tausch. Ich bin müde heute langer Tag, ich sag vielleicht grad mehr als nötig. Aber das dreht sich im Kreis weil du weißt was du eigentlich brauchst und du kriegst es nicht. Das ist das eigentliche Problem.

@ms_77

Zitat von ms_77

du weißt was du eigentlich brauchst und du kriegst es nicht

ja. das hast du auf den Punkt gebracht und ich weiß nicht ob mich das beruhigt oder noch mehr aufregt. Weißt du was mich gerade beschäftigt. Nicht der Arzt, nicht das Gerät. Sondern dass du sagst "langer Tag, ich sag vielleicht grad mehr als nötig" - aber genau das ist das erste Mal heute Abend wo ich das Gefühl hab jemand redet wirklich über das Thema. Nicht drumherum. Beim Arzt krieg ich das nie. Und das ist kein Vorwurf gegen den Mann persönlich. Ich glaub der ist einfach nicht gebaut für so ein Gespräch. Der ist gut wenn's ums Blut abnehmen geht oder wenn ich Schmerzen hab und er ne Diagnose stellen muss. Aber dieses - ich hab ein Problem das sich im Kreis dreht und ich brauch jemand der mit mir denkt - das kann der nicht. Oder will nicht, keine Ahnung. Das einzige was mich bei deinem letzten Beitrag stört ist das mit "aktiv vs. passiv". Klar, Tablette weglassen weil Rote Beete - das wär blöd, das mach ich auch nicht. Aber so einfach ist die Grenze nicht immer. Manchmal macht man halt was - isst anders, schläft früher, lässt den zweiten Kaffee stehen - und das ist auch kein passives Abwarten mehr. Ob das gut oder schlecht ist weiß ich nicht. Aber es ist auch keine Selbsttherapie im gefährlichen Sinn.

Zitat von rainer_w64

manchmal macht man halt was - isst anders, schläft früher, lässt den zweiten Kaffee stehen

@rainer_w64 ja, das stimmt, und das ist auch kein Problem. Kaffee weglassen ist keine Selbsttherapie, das ist gesunder Menschenverstand. Da muss ich dir recht geben. Aber ich merk grad dass wir die ganze Zeit über zwei verschiedene Sachen reden ohne es zu benennen. Das eine ist - ich pass ein bisschen auf mich auf. Das andere ist - ich versuch meinen Blutdruck aktiv zu steuern ohne dass ein Arzt das begleitet. Der erste Fall ist normal. Der zweite ist wo ich Bauchschmerzen krieg. Und das mit dem Gespräch hier, dass dich das beruhigt oder aufregt gleichzeitig - ich versteh das. Aber ich bin ein Elektriker in nem Forum. Ich hab keinen weißen Kittel und keine Akte von dir. Was ich sag klingt vielleicht vernünftig aber ich kann auch komplett daneben liegen. Das solltest du nicht vergessen. Was mich bei dem Arzt-Ding jetzt wirklich beschäftigt, und das ist neu für mich: vielleicht ist das Problem nicht dass er die Zahlen nicht auswertet. Sondern dass du von nem Arzttermin was erwartest was ein Arzttermin strukturell nicht leisten kann. So ne Art Denkpartner. Das ist was anderes als Diagnose stellen. Ich weiß nicht ob's das gibt, sowas wie ne Beratung die länger geht, Hausarzt plus Stunde Zeit. Ob das bei euch in der Gegend überhaupt Kassenarzt-fähig ist.

kleines Update weil ich den Thread nicht einfach so stehen lassen will.

Zitat von ms_77

sowas wie ne Beratung die länger geht

ich hab das mal nachgefragt, beim nächsten Termin letzten Monat. Direkt so wie du's gesagt hattest. Ob es sowas gibt. Der hat mich angeguckt als ob ich nach nem Wellnessurlaub auf Kassenkosten frag. Dann hat er irgendwas von "Chronikerprogramm" gemurmelt, DMP oder so heißt das glaub ich. Hat mir ne Broschüre in die Hand gedrückt. Ob das was taugt weiß ich noch nicht, ich hab die Broschüre auf dem Küchentisch liegen und meine Frau hat schon zweimal gefragt ob ich die wegwerfen kann. Was sich sonst getan hat: ich mess immer noch, morgens, zweimal. Aber ich schreib nicht mehr alles auf. Nur noch wenn's auffällig ist. Das fühlt sich weniger wie Hausaufgaben an und ich dreh nicht mehr so durch wenn der zweite Wert drei Punkte höher ist als der erste. Ob sich was verbessert hat - keine Ahnung ehrlich. Ist schwer zu sagen. Die Werte sind ungefähr gleich wie vorher. Vielleicht minimal besser, vielleicht bild ich mir das ein.

Zitat von rainer_w64

Ob sich was verbessert hat - keine Ahnung ehrlich

@rainer_w64 das ist ehrlich gesagt die einzige sinnvolle Aussage die man nach zwei Monaten machen kann. Wer dir sagt "ja jetzt wird's besser" ist ein Lügner oder hat ne Agenda. Was mich aber an deinem Update beschäftigt: du schreibst weniger auf, nur noch wenn's auffällig ist. Das ist interessant weil das ist genau das Gegenteil von dem confirmation bias Problem das ms_77 genannt hat. Wenn du nur die komischen Werte notierst kriegst du ja auch ein verzerrtes Bild - immer nur die Ausreißer. Aber auf der anderen - wenigstens nervt es dich nicht mehr täglich, das ist auch was wert. Dieses DMP-Ding das der Arzt erwähnt hat, das ist so ein Chroniker-Programm. Mein Vater ist da irgendwie drin wegen Diabetes, kriegt alle drei Monate nen Termin und da guckt sich einer seine Werte echt an, nicht nur "ja passt". Ob das für Blutdruck auch geht weiß ich nicht, aber vielleicht probierst du das aus. Ist zumindest strukturiert anders als beim normalen Arzttermin. Was mich aber wirklich interessiert: wenn die Werte ungefähr gleich sind wie vorher - was war dann dein Gedanke, warum du überhaupt angefangen hast zu messen. War das weil der Arzt das gesagt hat oder weil du gehofft hast was zu verändern.

@rainer_w64 @fk_1988 - da muss ich mal ehrlich etwas sagen, weil mich das beschäftigt. Ihr redet über Messwerte und DMP-Programme und confirmation bias, und das ist alles sinnvoll. Aber ich finde, ihr überseht dabei eine ganz einfache Sache. Der Hausarzt sagt "messen Sie öfter" und dann passiert nix mehr. Das ist nicht nur frustrierend, wie @rainer_w64 sagt - das ist auch fahrlässig! Mein Arzt hat mir das mit der Roten Beete ähnlich gemacht, einfach gesagt "essen Sie mehr davon" und dann war das Gespräch vorbei. Aber wenn mich ein Arzt auffordert was zu tun, dann schuldet mir dieser Arzt auch mindestens zu erklären wofür das gut sein soll, nicht wahr? Was mich bei dem ganzen DMP-Gedanke beschäftigt: das ist doch genau das, was @ms_77 gesagt hat - eine Struktur wo es regelmäßig um die Werte geht. Bei mir im Garten, da gibt es auch regelmäßige Kontrollen, sonst weiß ich ja nicht wie's den Pflanzen geht. Warum sollte das bei der Gesundheit anders sein? Aber @fk_1988, deine Frage am Ende finde ich wichtig. Wenn die Werte gleich bleiben nach zwei Monaten - warum misst man dann überhaupt noch? Ich meine, wenn der Arzt es gesagt hat, ok. Aber dann muss er mir doch auch sagen wofür. Sonst sitze ich da wie @rainer_w64 mit nem Notizbuch voller Zahlen und niemand interessiert's. Habt ihr den Arzt denn nach dem Sinn gefragt, nicht nur danach ob's was gibt, sondern richtig: warum brauchst du diese Werte?

@elvira_k

Zitat von elvira_k

Warum sollte das bei der Gesundheit anders sein?

weil dein Garten nicht zurückspricht haha. Aber nein, du hast recht dass da eine Asymmetrie ist. Der Arzt sagt "messen Sie" und dann ist implizit klar - ich will die Daten sehen. Nur passiert das eben oft nicht oder so halbherzig dass es frustrierend wird. Das DMP-Programm was ich erwähnt hab - das ist tatsächlich anders strukturiert, da gibt's nen festen Rhythmus und der Arzt weiß was er mit den Werten anfangen soll weil das sozusagen sein Job in dem Programm ist. Nicht nebenbei zwischen zwei anderen Patienten. Aber das ist auch das Problem - dass es das überhaupt als extra Programm gibt. Das sollte Standard sein, nicht Sonderangebot. Was mich aber bei deiner Frage stört - und das ist keine Kritik sondern eine echte Verwirrung - du fragst "habt ihr den Arzt nach dem Sinn gefragt". Aber @rainer_w64 hat doch genau das gemacht, oder? Er hat konkret nachgefragt nach dem Chroniker-Programm. Und der Arzt hat ihm ne Broschüre in die Hand gedrückt statt zu erklären worum's geht. Das ist nicht fehlende Frage von rainer, das ist fehlende Antwort vom Arzt. Das ist der Unterschied den ich meine. Du kannst fragen bis du blau wirst, wenn andererseits gesehen keiner ernsthaft antwortet hilft das nix. Das ist weniger ein Problem von "Patient muss selbst denken" sondern eher von "Arzt muss erklären können oder wollen".

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