Forum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

hallo aus neukölln - neu hier und ein bisschen verloren 🌱

Seite 1 von 2Nächste

moin, ich bin jana. wohn in berlin und koche schon seit ein paar jahren vegan, hauptsächlich weil ich halt einfach gerne mit saisonalem gemüse experimentiere. rote beete taucht bei mir echt oft auf - ich find die optisch und geschmacklich ziemlich unschlagbar, so ein tiefes lila-rot ist ja auch als grafikerin irgendwie schwer zu ignorieren. bin hier gelandet weil ich endlich rausfinden will wie ich sie richtig einlege. hab das ein mal versucht, war irgendwie zu sauer und zu wenig... ich weiß nicht, rund? keine ahnung ob das an der Essigmenge lag oder was. aus dem vakuumbeutel kaufen kommt für mich nicht in frage, das schmeckt einfach nach nichts. also falls hier jemand ein bewährtes grundrezept fürs einlegen hat, ohne zu viel chemikram drin - würd ich mich sehr freuen.

--
less is more ?

willkommen @jana_w. das mit dem zu sauer klingt nach zu viel essig oder zu wenig zucker zum ausgleich. ich mach das ehrlich gesagt selten aber wenn dann einfach - rote beete gekocht, abgekühlt, in gläser mit nem mix aus essig und wasser, dazu ne prise salz und zucker. das wars. keine chemikram nötig. aber interessant dass du aus berufsgründen auf die optik achtest. ich hab das nie so gesehen für mich ist einfach lecker oder nicht. wobei die farbe beim einlegen echt krass bleibt wenn mans richtig macht - hab das mal bei kollegen im büro gesehen, der hat seine mittagsbox geöffnet und die rote beete sah aus wie neu. das mit "rund" - meinst du eher weich und samtig im geschmack oder eher so ne konsistenz-sache. beim einlegen verlierst du halt etwas von der festigkeit wenn die schon vorher zu lange gekocht war. vielleicht war die ausgangware schon zu lange im topf? wie lange hast du die damals stehen lassen bevor du sie gegessen hast. ich glaub das macht auch noch nen unterschied aus ob die aromen richtig durchziehen.

@kb_91

Zitat von kb_91

die rote beete sah aus wie neu

- ja, das kenn ich, das ist aber kein Zufall sondern hängt wirklich daran, wie heiß man aufgüllt. Wenn die Lake beim Einlegen noch richtig heiß ist, zieht das Betanin (der Farbstoff) sich quasi ins Glas zurück statt rauszubluten. Meine Oma hat das immer so gemacht, ohne dass sie gewusst hat warum - die hat es einfach heiß aufgefüllt und fertig. Aber @jana_w das mit "rund" - ich glaub ich weiß was du meinst. Das ist das Verhältnis von Säure zu Süße, nu. Zu viel Essig ohne Gegengewicht macht das Ganze flach und beißend, da hilft auch langes Ziehenlassen nicht mehr. Was ich früher falsch gemacht hab: ich hab normalen Haushaltsessig genommen (den scharfen, 5%) und gedacht mehr ist mehr. Ist aber nicht so. Entweder man nimmt weniger davon, oder man mischt mit Apfelessig, der hat eine weichere Säure. Das kostet keinen Euro mehr als der Haushaltessig, den kriegst du im Discounter für nix. Ach so, und die Durchziehzeit - da hat kb_91 schon recht, das macht wirklich einen Unterschied. Ich würd sagen mindestens zwei Tage im Kühlschrank, lieber drei. An dem Punkt sind die Aromen dann auch wirklich "drin" statt nur obendrauf.

--
Eingemachtes schlägt Konzentrat — jeden Tag.

@jana_w willkommen, Neukölln-Nachbarin sozusagen.

Zitat von rotebeete_rosi

der Farbstoff zieht sich quasi ins Glas zurück statt rauszubluten

Das stimmt so nicht ganz - Betanin ist thermolabil, also hitzeempfindlich. Zu heißes Aufgießen kann den Farbstoff tatsächlich auch abbauen, nicht nur fixieren. Was die Farbe im Glas wirklich stabilisiert, ist der niedrige pH-Wert der Lake, also die Säure selbst. Das ist kein Widerspruch zum Einlegen, nur die Erklärung ist eine andere. Zum eigentlichen Problem mit dem "rund": rosi hat den richtigen Instinkt, aber ich würde noch einen Punkt ergänzen, der hier noch nicht kam. Nämlich die Zuckerwahl. Weißer Haushaltszucker gibt Süße, aber wenig Tiefe. Wer Rote Beete einlegt und das Ergebnis flach findet, auch wenn das Verhältnis Essig-Zucker stimmt, sollte mal mit Rohrohrzucker oder sogar einem Teelöffel Honig probieren. Das klingt kleinteilig, macht aber tatsächlich einen Unterschied im Abgang. Und @jana_w, du schreibst dass du ohne "Chemikram" einlegen willst - kannst du da präzisieren was du meinst? Konservierungsstoffe? Industriezucker? Weil klassisches Einlegen mit Essig, Salz und Zucker ist von Natur aus ohne Zusatzstoffe, da ist erstmal nichts drin was nicht auch in deiner Küche steht. Wenn du in Richtung Fermentieren (also Milchsäuregärung ohne Essig) denkst, ist das eine andere Baustelle.

@anna_grf ja, du hast da fachlich recht mit dem pH-Wert, das nehm ich so hin. Ich hab das immer vom Ergebnis her gedacht, nicht von der Chemie - und das Ergebnis hat bei mir gestimmt, nu. Aber danke für die Korrektur, das ist kein schlechter Punkt. Was mich aber wirklich mehr interessiert: der Honig-Tipp. Den kenn ich nämlich vom Einlegen von Gurken, meine Tante aus dem Erzgebirge hat das immer so gemacht, und da hab ich nie drüber nachgedacht ob das auch bei Roter Beete funktioniert. Muss ich ehrlich sagen. Hast du das selbst probiert oder ist das mehr so ein theoretischer Hinweis?

Zitat von anna_grf

kannst du da präzisieren was du meinst

- das würde mich bei @jana_w auch interessieren das ist keine blöde Frage. Weil "Chemikram" wird im Netz ja gerne für alles mögliche benutzt, manchmal meinen Leute damit tatsächlich Konservierungsstoffe, manchmal aber auch einfach alles was nicht nach Großmutterrezept klingt. Das macht dann einen ziemlichen Unterschied bei der Antwort. Draußen fängt es gerade an zu regnen, passt irgendwie zum Thema Einmachen. Jedenfalls - klassisches Einlegen ist wie du sagst eigentlich von Natur aus clean, da ist nichts drin was man nicht kennt.

--
Eingemachtes schlägt Konzentrat — jeden Tag.

ok, danke für die Nachfragen - ich hätte das tatsächlich klarer formulieren sollen.

Zitat von rotebeete_rosi

"Chemikram" wird im Netz ja gerne für alles mögliche benutzt

ja, fair. ich mein damit eigentlich Konservierungsstoffe, Ascorbinsäure als Zusatz, sowas. nicht Zucker oder Salz - das ist für mich selbstverständlich kein Problem. ich dachte das wäre aus dem Kontext klar aber offensichtlich nicht, also: klassisches Essig-Salz-Zucker-Einlegen ist genau das was ich will. @anna_grf der Rohrohrzucker-Tipp klingt interessant. ich hab das mal bei einem Chutney-Rezept gesehen, da stand auch dass der eine andere Tiefe bringt als weißer Zucker. Hab das aber nie direkt verglichen, also ich weiß nicht ob ich das wirklich schmecken würde oder ob ich mir das dann nur einbilde weil ich es weiß. Grafikerin-Gehirn ich sehe und schmecke immer was ich erwarte 😅

und bei Honig bin ich gerade wirklich unsicher ob ich das mag - nicht wegen Geschmack sondern weil ich seit vier Jahren vegan bin und Honig für mich da nicht reinpasst. hab das gar nicht dazugesagt sorry. also für mich persönlich fällt der Honig-Tipp raus, aber ich find es trotzdem interessant dass das bei Gurken schon funktioniert hat @rotebeete_rosi. was mich aber noch beschäftigt - niemand hat bisher was zur Menge der Roten Beete gesagt. also wie viel Glas kommt aus wie viel frischer Beete. ich hab damals viel zu wenig gemacht und dann war das Glas nach zwei Tagen leer und ich hab drei Stunden in der Küche rumgehangen für nix

--
less is more ?

Willkommen @jana_w, gute Einstiegsfrage. Zur Mengenfrage - das ist tatsächlich was, das viele unterschätzen. Aus meiner Erfahrung in der Praxis (und beim eigenen Ausprobieren) gilt grob: 500g rohe Rote Beete ergibt nach dem Kochen und Einlegen ungefähr ein 500ml-Glas, manchmal etwas weniger wenn man großzügig schneidet und die Lake viel Platz einnimmt. Ich würde sagen, für zwei Personen als Beilage über eine Woche rechne ich mit mindestens einem Kilo frischer Beete - also zwei Gläser. Weniger lohnt den Aufwand wirklich kaum.

Zitat von jana_w

drei Stunden in der Küche rumgehangen für nix

Das klingt aber nach mehr als nur wenig Menge. Hast du die Beete damals selbst gegart oder schon vorgekocht gehabt? Weil der Kochschritt allein zieht bei mittelgroßen Knollen schon 45 bis 60 Minuten, und wenn man das nicht einkalkuliert, fühlt sich der Gesamtaufwand unverhältnismäßig an. Was ich mache: ich gare gleich eine größere Menge, friere einen Teil einfach ein bevor er in die Lake kommt. Das spart beim nächsten Mal fast die Hälfte der Zeit. Und zur Vegan-Sache mit dem Honig - klar, das war ein blinder Fleck von @anna_grf, aber kein Drama. Rohrohrzucker macht das wirklich. Ich hab das selbst getestet, nicht systematisch, aber der Unterschied im Abgang ist merkbar, weniger scharf irgendwie. Ob du es blind schmecken würdest weiß ich nicht - das wäre mal ein Experiment wert.

@marek_rb der Einfrieren-Tipp ist eigentlich nicht schlecht, das muss ich sagen. Ich hab das nie so gemacht, immer alles auf einmal eingekocht und eingelegt, aber der Gedanke, einfach einen Teil der gegarten Knollen einzufrieren für später - das klingt praktischer als ich dachte.

Zitat von jana_w

drei Stunden in der Küche rumgehangen für nix

Nu, ich kenn das Gefühl. Ich sag dir was: das Problem ist fast immer, dass man Rote Beete nicht neben nebenbei kocht. Die braucht ihre Zeit und die nimmt sie sich auch, egal ob man gerade keine Lust hat. Was ich mir irgendwann angewöhnt hab - ich setz die am Samstag früh auf wenn ich eh zuhause bin und mach was anderes dabei. Nicht wegen drei Stunden, aber du weißt ja selbst wie das ist wenn man denkt "ach, die sind gleich fertig" und dann doch nicht. Zur Mengenfrage noch kurz: der Richtwert von marek_rb mit dem 500g-zu-500ml stimmt ungefähr, aber das hängt auch stark davon ab wie fest man die Scheiben reinpackt. Ich pack die immer recht dicht, dann passt deutlich mehr rein als man denkt. Das ist kein Trick, das ist nu wirklich nur Erfahrungssache. @jana_w und wegen vegan - war kein Vorwurf, das weißt du sicher. Ich find es gut dass du das klargemacht hast, sonst redet man aneinander vorbei. Mit Rohrohrzucker kommst du gut hin.

--
Eingemachtes schlägt Konzentrat — jeden Tag.

Zitat von rotebeete_rosi

ich setz die am Samstag früh auf wenn ich eh zuhause bin

Nu ja, das ist bei mir genauso. Ich mach das auch nicht unter der Woche, da bin ich nach der Arbeit nicht mehr in der Stimmung für solche Sachen. Aber was mich bei @jana_w s Frage eigentlich noch beschäftigt - das mit dem dicht reinpacken, das stimmt. Ich drück die Scheiben wirklich rein, fast bis der Deckel nicht mehr passt. Was ich aber noch nie gesehen hab hier im Thread: die Scheibendicke macht auch was aus. Ich schneide die nicht zu dünn, so 4-5mm mindestens. Dünner als das und die werden beim Einlegen irgendwie labbrig nach zwei Tagen, das ist kein schönes Ergebnis. Und für @jana_w, du hast ja das Mengenproblem angesprochen - ich nehm immer mindestens 1,5 Kilo auf einmal, alles drunter lohnt sich bei mir nicht. Das klingt nach viel aber das Zeug hält sich ja auch wenn mans richtig macht. Was ich mich gerade noch frage @jana_w - hast du damals ein bestimmtes Essig-Wasser-Verhältnis gehabt oder hast du den Essig pur reingekippt? Weil das wäre nämlich auch eine Erklärung warum das so beißend war. Ich mach das 1 zu 1, also gleiche Teile Essig und Wasser, manchmal sogar etwas mehr Wasser wenn ich Apfelessig nehme weil der eh milder ist. Pur wäre wirklich zu agressiv.

--
Selbstgemacht schlägt Gekauft — immer.

Zitat von jana_w

drei Stunden in der Küche rumgehangen für nix

@renate_b63 hat das mit der Scheibendicke gut angesprochen das ist wirklich ein Punkt der gerne übersehen wird. Aber was mich bei @jana_w s ursprünglichem Problem noch beschäftigt - das Essig-pur-Thema. Ich tippe fast drauf dass das das Hauptproblem war, nu. Weil wenn man das erste Mal einlegt und kein Rezept mit konkreten Mengenangaben hat, kippt man instinktiv zu viel rein. "Einlegen" klingt im Kopf nach viel Essig. Was ich noch nie im Thread erwähnt hab (glaub ich zumindest): der Zeitpunkt wann man die Lake macht, spielt auch eine Rolle. Ich koch die Lake kurz auf bevor ich aufgieße - also Essig, Wasser, Zucker, Salz zusammen kurz erhitzen bis der Zucker sich auflöst. Das klingt selbstverständlich aber ich hab mal mit kalter Lake angefangen weil ich ungeduldig war und die Scheiben haben sich komisch angefühlt danach, irgendwie ungleichmäßig. Ob das wirklich daran lag, weiß ich nicht mit Sicherheit - aber seitdem mach ich das nur noch heiß. @jana_w noch eine Frage die mir gerade einfällt: hattest du damals einen Deckel drauf beim Ziehenlassen oder offen im Kühlschrank? Weil offen zieht die Beete auch Kühlschrankgerüche an und das kann den Geschmack wirklich merkwürdig machen, das ist kein Witz.

--
Eingemachtes schlägt Konzentrat — jeden Tag.

Seite 1 von 2Nächste