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Hallo aus Hamburg, neu hier und ein bisschen unsicher 😊

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Hej zusammen, ich bin die Evelyn, 41 und aus Hamburg. Ich schau hier zum ersten Mal rein und bin ein bisschen unsicher ob ich hier richtig bin ehrlich gesagt. Meine Freundin hat mich auf das Thema Rote Beete gebracht weil sie meinte das soll den Blutdruck senken und seitdem grübel ich da ein bisschen rum. Ich hab selbst keinen richtig diagnostizierten Bluthochdruck aber meine Werte waren beim letzten Check nicht so toll. Supplements hab ich schon ein paarmal ausprobiert aber irgendwie frag ich mich immer ob man da nicht einfach drauf reinfällt. Ich find den Gedanken schön einfach über Essen was zu ändern bevor man gleich zu Tabletten greift, aber keine ahnung ob das realistisch ist. Habt ihr so eigene Erfahrungen damit gemacht, also wirklich im Alltag und nicht nur kurz ausprobiert und dann vergessen? Würd mich freuen wenn ich hier ein bisschen mitlesen und vielleicht auch mal fragen kann

@evelyn83, willkommen erstmal. Deine Unsicherheit, ob du hier richtig bist, kenn ich aus der Beratung gut - die meisten kommen mit genau dieser Haltung.

Zitat von evelyn83

ob man da nicht einfach drauf reinfällt

Das ist eigentlich die richtige Frage, und ich find es gut dass du sie dir stellst. Man muss da differenzieren: bei Rote Beete geht es biochemisch um Nitrat, das im Körper zu Stickstoffmonoxid umgewandelt wird, was Gefäße erweitern kann. Das ist kein Marketing-Konstrukt, das ist Physiologie. Aber - und das ist der Teil, den viele weglassen - die Studien dazu, etwa von der Barts-Gruppe in London, wurden fast alle mit sehr konzentriertem Rote-Beete-Saft gemacht, teilweise 500ml täglich, und meistens an Menschen mit bereits diagnostiziertem Bluthochdruck. Was das für dich bedeutet, wenn deine Werte "nicht so toll" waren aber kein echter Befund dahintersteht, ist unklar. Die Datenlage ist hier leider dünn für präventive Anwendung bei Grenzwertigen. Was ich interessanter finde: du schreibst, dein letzter Check war nicht gut. Weißt du ob das Messwerte beim Arzt waren oder Selbstmessung? Das macht tatsächlich einen Unterschied, weil Praxishochdruck - also erhöhte Werte nur in der Praxis durch Aufregung - recht häufig ist und eigentlich andere Konsequenzen hat als dauerhaft erhöhte Werte zuhause.

@anna_grf danke für die ausführliche Antwort, das war echt hilfreich

Zitat von anna_grf

Weißt du ob das Messwerte beim Arzt waren oder Selbstmessung

das ist tatsächlich eine gute Frage, ich war beim Arzt und war da auch ein bisschen nervös - ich bin da immer nervös irgendwie. also könnte gut sein dass das so ein Praxis-Effekt war den du meinst. ich hab zuhause kein Messgerät, hab drüber nachgedacht mir eins zu holen aber irgendwie hab ich's nie gemacht. und das mit den 500ml täglich - das ist schon heftig, so viel würd ich glaub ich gar nicht trinken wollen. meine Freundin trinkt ein kleines Glas morgens, so 200ml vielleicht, und meint sie fühlt sich besser. aber ob das wirklich am Blutdruck liegt oder weil sie eh grade mehr auf sich achtet, keine ahnung ob man das trennen kann. was mich gerade beschäftigt ist eigentlich - du schreibst das aus der Beratung, machst du das beruflich? ich frag nur weil ich dann nochmal anders zuhöre 😄

@evelyn83, ja, ich mach das beruflich - Ernährungsberatung, freiberuflich. Das heißt aber nicht, dass ich hier irgendwelche Diagnosen stelle oder Empfehlungen gebe, das ist nicht der Ort dafür und wäre auch fachlich nicht seriös ohne Anamnese.

Zitat von evelyn83

ob das wirklich am Blutdruck liegt oder weil sie eh grade mehr auf sich achtet

Das ist eigentlich der interessanteste Satz in deinem Post. Diese Frage - Effekt vs. allgemeine Verhaltensänderung - lässt sich im Alltag wirklich kaum trennen, und das ist kein Fehler, das ist einfach die Realität von nicht-kontrollierten Beobachtungen. Deine Freundin trinkt morgens ein Glas Rote-Beete-Saft und fühlt sich besser: vielleicht liegt das am Nitrat, vielleicht daran, dass sie generell bewusster frühstückt, schläft, trinkt. Das ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, solange man nicht alles andere konstant hält. Was ich in der Beratung öfter sehe: Leute, die eine Sache ändern, ändern meistens unbewusst noch drei andere. Und dann schreiben sie alles der einen Sache zu. Das Messgerät würde ich dir übrigens wirklich empfehlen, nicht wegen Rote Beete, sondern einfach weil du dann weißt ob die Praxis-Werte repräsentativ waren. Oberarm, validiertes Gerät - die Stiftung Warentest hat da mal eine brauchbare Liste zusammengestellt, glaub ich.

@anna_grf das mit dem "eine Sache ändern und unbewusst noch drei andere" - das trifft meine Freundin eigentlich voll. die hat nämlich gleichzeitig auch angefangen weniger Fleisch zu essen und mehr zu laufen, hab ich jetzt erst so richtig drüber nachgedacht. und dann sagt sie natürlich der Saft hat geholfen 😄

das mit dem Messgerät schaue ich mir mal an, Stiftung Warentest kenn ich zum Glück. aber ich frag mich grad - macht man das dann wirklich jeden Tag oder nur wenn man das Gefühl hat dass was nicht stimmt? ich könnt mir vorstellen dass ich anfange und dann nach zwei Wochen ist das Gerät wieder irgendwo in der Schublade

und noch was das mich beschäftigt - du sagst du gibst hier keine Empfehlungen weil das nicht seriös wäre ohne Anamnese. find ich ehrlich gesagt gut dass du das so sagst, das passiert ja in solchen Foren manchmal dass da jemand gleich sagt "kauf das, iss das, dann wird alles gut". ich war kurz davor mir so ein Rote-Beete-Konzentrat zu bestellen, Betanio PLUS oder so hieß das, aber der Preis hat mich dann doch abgeschreckt. keine ahnung ob sowas überhaupt einen Unterschied macht gegenüber dem normalen Saft aus dem Supermarkt

@evelyn83 moin, willkommen hier. Deine Skepsis gegenüber so Konzentralkram - das ist die richtige Einstellung. Hab ich selbst ausprobiert, so ein Betanio-Ding oder wie das hieß. 35 Euro für ne kleine Flasche. Nach zwei Wochen war mir das zu teuer und ich bin zurück zum normalen Saft aus dem Supermarkt. Geschmacklich kein großer Unterschied, ehrlich gesagt. Das mit der Schublade und dem Messgerät - ja, das ist realistisch. Aber versuch's vielleicht anders. Nicht täglich, sondern einfach so drei, vier Mal die Woche, immer zur gleichen Tageszeit. Morgens vor dem Kaffee zum Beispiel. Dann siehst du ob deine Praxis-Werte Ausreißer waren oder nicht. Das dauert auch nur zwei Minuten. Was mich bei deiner Freundin triggert - sie trinkt ein Glas Saft und läuft plötzlich mehr und isst weniger Fleisch. Das ist ja nicht dumm von ihr, aber dann sollte sie sich auch ehrlich machen was davon den Effekt hat. Wahrscheinlich das Laufen. Saft ist da eher Begleitmusik, würde ich sagen. Spadt euch das Geld für teure Konzentrate, frisches Gemüse tut's auch. Rote Beete aus dem Markt, selber entsaften wenn's dich reizt, oder einfach gekocht essen. Billiger und du weißt was drin ist.

@holli

Zitat von holli

Saft ist da eher Begleitmusik

ja das klingt eigentlich sehr plausibel hab ich so noch gar nicht drüber nachgedacht ehrlich gesagt

und das mit Betanio - okay also du hast das wirklich ausprobiert und kein großen Unterschied gemerkt zum normalen Saft? das ist eigentlich genau das was ich mir gedacht hab, aber irgendwie hofft man ja immer dass das teure Zeug doch irgendwie mehr kann 😄 ist mir zu teuer war mein erster Gedanke und offenbar war der gar nicht so falsch

das mit drei vier mal die Woche messen klingt machbarer als jeden Tag, muss ich sagen. ich glaub ich brauch sowas mit wenig Aufwand sonst mach ichs wirklich nicht - drei Kinder und Teilzeit, da ist morgens schon genug los. draußen ist heute so ein komisches Hamburger Nieselwetter, da macht man eh nix

was mich jetzt aber noch interessiert - du schreibst selber entsaften. lohnt sich das wirklich, ich mein von der Zeit her? ich stell mir vor das ist dann wieder so ein Gerät das einmal benutzt wird und dann Platz wegnimmt

@evelyn83, zum Entsafter kurz: ich würd das lassen. Nicht weil es sich nicht lohnt, sondern weil du selbst schon sagst, dass Geräte bei dir in der Schublade landen. Mit drei Kindern und Teilzeit ist das eine realistische Selbsteinschätzung, die man ernst nehmen sollte.

Zitat von evelyn83

lohnt sich das wirklich, ich mein von der Zeit her

Rein ernährungswissenschaftlich ist frisch gepresster Saft nicht automatisch besser als pasteurisierter aus dem Supermarkt, jedenfalls nicht beim Nitratgehalt. Der ist relativ stabil. Was sich verändert bei Lagerung und Verarbeitung, sind eher die Betalaine - das sind die Farbpigmente, die auch antioxidativ wirken sollen. Aber ob das bei Blutdruckwerten klinisch relevant ist? Die Datenlage ist hier leider dünn. Was mich an @hollis Punkt zum Betanio-Zeug eigentlich mehr interessiert: der hat das zwei Wochen genommen und dann aufgehört. Zwei Wochen sind auch in den meisten Studien zu kurz für verlässliche Aussagen über Blutdruckeffekte, da braucht man normalerweise mindestens vier bis sechs Wochen Beobachtung mit regelmäßiger Messung. Das heißt nicht, dass das Produkt was taugt - ich bin da genauso skeptisch wie holli - aber "nach zwei Wochen keinen Unterschied gemerkt" ist methodisch auch kein Freispruch und kein Schuldspruch. Ich glaub die eigentliche Frage für dich ist erstmal eine andere, nämlich ob deine Praxis-Werte überhaupt ein Muster sind oder ein Ausreißer. Alles andere ist grad noch Theorie.

@anna_grf Zitat von anna_grfob deine Praxis-Werte überhaupt ein Muster sind oder ein Ausreißer
ja das stimmt eigentlich, ich merk dass ich die ganze Zeit über Säfte und Konzentrate nachdenke aber eigentlich weiß ich ja noch gar nicht ob überhaupt was zu tun ist

das ist ein bisschen so als ob man sich schon überlegt welche Schuhe man zum Marathon trägt bevor man weiß ob man überhaupt laufen kann 😄

ich glaub ich bestell mir einfach mal so ein Messgerät, Stiftung Warentest hab ich ja als Tipp. und dann erst mal ein paar Wochen schauen was die Werte bei mir zuhause so machen - morgens vielleicht, wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich kurz Ruhe hab. dann hab ich wenigstens irgendwas in der Hand wenn ich beim nächsten Termin sitze und wieder anfang nervös zu werden

was ich mich aber frag - macht es einen Unterschied zu welcher Tageszeit man misst? ich hab das nirgends wirklich nachlesen können aber ich könnt mir vorstellen dass morgens nach dem Aufstehen andere Werte rauskommen als abends

Edit: Falls jemand das gleiche Problem hat - mein Arzt meinte später, dass man idealerweise immer zur gleichen Zeit misst, damit die Werte vergleichbar sind. Hilft also wahrscheinlich auch schon wenn ich mich einfach auf einen Zeitpunkt einige

@evelyn83, ja, Tageszeit macht einen Unterschied - das ist keine Einbildung. Blutdruck folgt einem sogenannten zirkadianen Muster, also einem Tagesrhythmus: morgens nach dem Aufstehen gibt es oft einen natürlichen Anstieg, weil Stresshormone wie Cortisol hochgehen. Das nennt sich "morning surge" in der Fachliteratur. Abends sind die Werte bei den meisten Menschen etwas niedriger. Was das für dich bedeutet: wenn du morgens misst, nimm dir wirklich fünf Minuten Ruhe vorher, sitz, atme kurz, kein Kaffee davor. Und mach es zur gleichen Uhrzeit, das ist eigentlich der wichtigste Punkt. Nicht wegen wissenschaftlicher Strenge, sondern weil du sonst Äpfel mit Birnen vergleichst.

Zitat von evelyn83

morgens, wenn die Kinder aus dem Haus sind

Das klingt eigentlich schon gut als Zeitfenster - kurze Pause, kein Stress direkt davor. Das wäre realistischer als irgendwann mittendrin. Noch ein Hinweis den ich oft vergesse zu sagen: beim Messen immer zweimal, kurz nacheinander, und den Durchschnitt notieren. Viele Geräte machen das automatisch. Der erste Wert ist häufig etwas höher, einfach weil man noch nicht ganz entspannt ist.

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