Während der Schwangerschaft wird auf die Ernährung besonders genau geachtet – und das aus gutem Grund. Schnell entsteht Verunsicherung, welche Lebensmittel weiterhin auf den Teller dürfen und welche besser nicht. Rote Bete steht dabei immer wieder in der Diskussion: einerseits ein nährstoffreiches Wintergemüse, andererseits enthält die Knolle viel natürliches Nitrat.
Dieser Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Rote Bete in der Schwangerschaft auf Basis aktueller Empfehlungen von Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Fachgesellschaften und der jüngsten Studienlage.
Ist Rote Bete in der Schwangerschaft erlaubt?
Die kurze Antwort: ja. Rote Bete in haushaltsüblichen Mengen gilt während der Schwangerschaft als unbedenklich. Sie ist weder auf der Liste der grundsätzlich zu meidenden Lebensmittel von Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Netzwerk „Gesund ins Leben“ noch in Empfehlungen der Frauenärzteverbände als problematisch genannt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Rote Bete als Gemüse – etwa als Salat, im Ofen geröstet oder als Saft im Smoothie – und konzentrierten Produkten wie Rote-Bete-Shots, hochdosierten Saftkonzentraten oder Kapseln. Solche Produkte fallen rechtlich in den Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Für Schwangere gilt hier wie bei allen Supplementen: erst nach ärztlicher Rücksprache.

Diese Inhaltsstoffe der Roten Bete sind in der Schwangerschaft interessant
Rote Bete liefert eine ganze Reihe von Nährstoffen, die in der Schwangerschaft eine Rolle spielen. Ein Überblick über die relevantesten Bausteine.
Folat: warum Folsäure-Präparate trotzdem Pflicht bleiben
100 Gramm Rote Bete enthalten rund 80 bis 110 Mikrogramm Folat. Damit gehört die Knolle zu den folatreicheren Gemüsesorten. Folat ist die natürlich vorkommende Form von Vitamin B9 und spielt unter anderem bei der Zellteilung eine zentrale Rolle.
Das BfR aktualisierte 2024 in seiner Stellungnahme 009/2024 die Empfehlung: Frauen mit Kinderwunsch oder in der Frühschwangerschaft sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 Mikrogramm synthetische Folsäure pro Tag (alternativ eine äquivalente Menge 5-MTHF) supplementieren. Beginn idealerweise vier Wochen vor Empfängnis, fortgeführt bis zum Ende des ersten Schwangerschaftstrimesters.
Wichtig zu wissen: Auch eine sehr folatreiche Ernährung kann die Substitution nicht ersetzen. Rote Bete ist also eine sinnvolle Ergänzung – aber kein Folsäure-Präparat.
Eisen, Kalium und sekundäre Pflanzenstoffe
Rote Bete enthält pro 100 Gramm rund 0,9 Milligramm Eisen sowie etwa 325 Milligramm Kalium. Beide Mineralstoffe sind in der Schwangerschaft gefragt: Der Eisenbedarf steigt deutlich, und Kalium gehört zu den Mineralstoffen, für die das EU-Register die Aussage zulässt, dass sie zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks beitragen.
Hinzu kommen die sogenannten Betalaine – die roten Pflanzenfarbstoffe, denen in Studien antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden. Auch der Ballaststoffanteil ist relevant: Verstopfung gehört zu den häufigsten Beschwerden in der Schwangerschaft, und ballaststoffreiche Kost ist eine der Grundempfehlungen dagegen.
Nitrat: was Schwangere wirklich wissen müssen
Rote Bete enthält vergleichsweise viel natürliches Nitrat. Aus Nitrat kann im Körper über mehrere Zwischenschritte Stickstoffmonoxid entstehen – ein Botenstoff, der an der Regulation der Gefäßfunktion beteiligt ist.
Bei Erwachsenen gilt der Konsum nitratreicher Gemüse als unproblematisch, solange er sich im Rahmen einer normalen Mischkost bewegt. Theoretisch besteht aus dem Tier- und Säuglingsbereich der Verdacht, dass Nitrit aus Nitrat die Sauerstoffversorgung beeinflussen könnte. Beim erwachsenen Menschen ist dieser Effekt nicht beobachtet, beim ungeborenen Kind ist die Datenlage dünn.
Die praktische Konsequenz: Rote Bete als Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung ist auch in der Schwangerschaft kein Problem. Hochdosierte, konzentrierte Säfte und Pulver als „Therapie“ sind dagegen eine andere Kategorie und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden. Mehr dazu erfährst du hier im Beitrag „Ist Rote Bete schädlich?“

Rote-Bete-Saft in der Schwangerschaft: ja oder nein?
Frischer Rote-Bete-Saft in moderaten Mengen – etwa ein Glas im Rahmen des Frühstücks – gilt als unbedenklich. Er ist eine angenehme Möglichkeit, Folat, Eisen und sekundäre Pflanzenstoffe aufzunehmen.
Anders sieht es bei hochkonzentrierten Säften, Shots oder Pulvern aus, die deutlich höhere Nitratmengen liefern als ein klassisches Glas Saft. Solche Produkte sind in der Schwangerschaft kein Standard und sollten – wenn überhaupt – nur in Absprache mit der betreuenden Ärztin oder Hebamme genutzt werden.
Ein praktischer Tipp: Wer Rote-Bete-Saft in der Schwangerschaft trinkt, kombiniert ihn am besten mit Vitamin-C-haltigen Komponenten wie Zitrussaft, Beeren oder Paprika. Vitamin C hemmt die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit im Körper.
So bereitest du Rote Bete in der Schwangerschaft sicher zu
Neben Nitrat gibt es zwei weitere Punkte, die Schwangere bei rohem Gemüse generell beachten sollten: Toxoplasmose und Listerien. Beides hat mit Rote Bete im Speziellen wenig zu tun – aber gerade rohe, erdebehaftete Knollen verdienen Aufmerksamkeit.
Roh, gekocht oder eingelegt – worauf es ankommt
Gekochte oder geröstete Rote Bete ist unkompliziert. Hitze tötet Listerien und Toxoplasmose-Erreger zuverlässig ab.
Rohe Rote Bete – etwa fein gehobelt im Salat oder als Saft – ist grundsätzlich erlaubt, sollte aber besonders gründlich gewaschen werden. Die Schale lässt sich nach dem Waschen mit einem Sparschäler entfernen, was zusätzlich Sicherheit bringt.
Eingelegte Rote Bete aus dem Glas ist haltbar gemacht und unkompliziert. Hier gilt wie immer: angebrochene Gläser kühl lagern und zeitnah aufbrauchen.
Hygiene: Toxoplasmose und Listerien vermeiden
Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ rät Schwangeren generell, rohes Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich unter fließendem Wasser zu waschen. Bei Wurzelgemüse mit Erdanhaftungen wie Rote Bete oder Karotten gilt: zuerst grob abbürsten, dann waschen, dann schälen.
Hände waschen vor und während der Zubereitung, Schneidebrett und Messer nach Kontakt mit rohem Wurzelgemüse reinigen – diese einfachen Regeln decken das Risiko praktisch komplett ab.

Wie viel Rote Bete ist in der Schwangerschaft sinnvoll?
Eine starre Höchstmenge gibt es nicht. Im Sinne einer abwechslungsreichen Ernährung ist eine Portion Rote Bete (rund 150 bis 200 Gramm) ein- bis zweimal pro Woche eine gute Orientierung. Diese Menge liefert wertvolle Mikronährstoffe, ohne dass die Nitratzufuhr zum Thema wird.
Wer nicht jede Woche Rote Bete in der Schwangerschaft mag, kann genauso gut auf andere folatreiche Lebensmittel zurückgreifen: grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Eier sind etwa gleichwertige Folatlieferanten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche, hebammenspezifische oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen, Risikoschwangerschaften oder konkreten Fragen sprich bitte mit den behandelnden Fachleuten.
Fazit
Rote Bete in der Schwangerschaft als Gemüse darf mit gutem Gewissen auf den Teller. Sie liefert Folat, Eisen und Kalium, ist ballaststoffreich und passt zu einer abwechslungsreichen Mischkost.
Vorsicht ist nur an drei Stellen geboten: bei hochkonzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln und Saft-Shots, beim Roh-Verzehr ohne gründliche Hygiene und bei eigenmächtigen Versuchen, Schwangerschaftshypertonie damit zu behandeln. In allen Fällen gilt: erst mit der Ärztin oder Hebamme sprechen.

Empfehlung der Redaktion
Wer Rote Bete im Alltag unkompliziert in die Ernährung integrieren möchte, findet im Rote-Bete-Konzentrat Betanio PLUS eine praktische Variante.
Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung. In der Schwangerschaft sollte vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln grundsätzlich ärztlich Rücksprache gehalten werden.
Häufige Fragen
Dürfen Schwangere Rote Bete essen?
Ja. Rote Bete in haushaltsüblichen Mengen ist in der Schwangerschaft erlaubt und liefert wertvolle Nährstoffe wie Folat, Eisen und Kalium. Roh gut waschen, ansonsten keine besonderen Auflagen.
Ist Rote-Bete-Saft in der Schwangerschaft gefährlich?
Ein Glas frischer Saft in moderaten Mengen ist unbedenklich. Hochkonzentrierte Säfte oder Pulver als Nahrungsergänzungsmittel sollten in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache verzehrt werden.
Hilft Rote Bete bei Schwangerschaftsbluthochdruck?
Aktuelle Studien untersuchen, ob Rote-Bete-Saft eine sanfte Ergänzung bei Schwangerschaftshypertonie sein könnte. Es gibt erste Hinweise, aber keine etablierte Therapieempfehlung. Bluthochdruck in der Schwangerschaft gehört in ärztliche Behandlung.
Wie viel Rote Bete darf ich in der Schwangerschaft essen?
Eine bis zwei Portionen (rund 150–200 Gramm) pro Woche sind eine gute Orientierung – mehr ist nicht nötig, weniger ebenfalls in Ordnung, wenn andere folatreiche Lebensmittel im Speiseplan sind.
Darf ich Rote Bete in der Schwangerschaft roh essen?
Ja, sofern sie gründlich gewaschen und geschält ist. Hände, Brett und Messer nach der Zubereitung reinigen, um das Toxoplasmose- und Listerien-Risiko zu minimieren.
Ist roter Urin nach Rote Bete in der Schwangerschaft gefährlich?
Nein. Die rötliche Verfärbung von Urin oder Stuhl nach dem Verzehr ist harmlos und wird durch den natürlichen Farbstoff Betanin verursacht. Sie tritt bei etwa jedem zehnten Menschen auf.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Stellungnahme 009/2024: Aktualisierung Höchstmengenvorschläge für Folsäure in Lebensmitteln, 22.02.2024. PDF
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Merkblatt „Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft – Ratschläge für die ärztliche Praxis“. PDF
- Netzwerk Gesund ins Leben, „Listeriose und Toxoplasmose – Auf welche Lebensmittel sollten Schwangere verzichten?“ Link
- AWMF, Leitlinienprogramm „Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen – Diagnostik und Therapie“. Link
- Ormesher L. et al. (2018): Effects of dietary nitrate supplementation, from beetroot juice, on blood pressure in hypertensive pregnant women: a randomised, double-blind, placebo-controlled feasibility trial. Nitric Oxide 80, 37–44. PubMed
- ClinicalTrials.gov, BEET-BP Trial – Investigating the Effect of Dietary Nitrates on Hypertension in Pregnancy. NCT04604535. Link
- ClinicalTrials.gov, Effects of Nitrate-rich Beetroot Juice in Pregnant Women With High Blood Pressure. NCT05241327. Link
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), „Fragen und Antworten zu Nitrat und Nitrit in Lebensmitteln“. PDF
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), „Listeriose und Toxoplasmose in der Schwangerschaft“. Link


